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Aus dem Stadtrat - 30. Juli 2026: Gutes Punktesystem für Stauf Ost, gefährliche Straßenplanung am Ärztehaus

Die letzte Sitzung des Neumarkter Stadtrats brachte neben vielen zügig abgehandelten Tagesordnungspunkten zwei Themen, die genauer hinzusehen lohnen: ein neues Vergabeverfahren für Grundstücke in Stauf Ost – und eine Straßenplanung am geplanten Ärztehaus, die aus unserer Sicht deutliche Sicherheitsmängel aufweist.

Stauf Ost: Ein Vergabeverfahren mit sozialer Handschrift

Für die städtischen Grundstücke in Stauf Ost hat die Verwaltung neben einem Bieterverfahren auch ein Punktesystem vorgelegt, das neben dem Preis auch lokale Verbundenheit und soziale Faktoren berücksichtigt. Das ist aus linker Perspektive ein richtiger und wichtiger Schritt: Wer schon hier lebt, arbeitet oder familiär verwurzelt ist, soll bei der Vergabe nicht automatisch das Nachsehen haben. Auch dass die Stadt einen Teil der Flächen als Tauschgrundstücke zurückhält, ist sinnvoll – so bleibt Handlungsspielraum, falls sich im Verfahren Anpassungsbedarf zeigt. Positiv ist zudem, dass eine Auswertung nach Abschluss des Verfahrens vorgesehen ist, damit der Stadtrat bei Bedarf nachsteuern kann – etwa wenn einzelne Grundstücke nicht vergeben werden und die Stadt selbst aktiv werden möchte.

Auf unsere Nachfrage hin bestätigte die Verwaltung, dass für das Gebiet kein Bebauungsplan existiert. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich existiert einer. Zudem sind die Grundstücke mit rund 600 Quadratmetern groß genug, um auch Mehrfamilienhäuser statt einzelner Einfamilienhäuser zu ermöglichen. Hier bleiben wir am Thema dran, damit die Chance auf bezahlbaren, verdichteten Wohnraum nicht ungenutzt bleibt.

Ärztehaus und Parkhaus: Wenn Verkehrssicherheit zur Nebensache wird

Deutlich kritischer war der zweite Schwerpunkt: die Planungen der Straße zum Neubau der Firma Bögl für ein Ärztehaus und ein Parkhaus. Gegen das Bauvorhaben selbst gibt es aus unserer Sicht nichts einzuwenden und erhielt bereits im Bauausschuss unsere Zustimmung. Problematisch ist die dazugehörige Straßenplanung.

Die bestehenden Radwege sollen teils wegfallen und stattdessen über einen Kreisverkehr an die Nürnberger Straße angebunden werden. Das bedeutet für Radfahrende einen deutlich gefährlicheren Verkehrsablauf – Kreisverkehre sind gerade für Radverkehr eine der unfallanfälligsten Verkehrsformen, wenn die Führung nicht sorgfältig getrennt erfolgt. Hinzu kommen Hol- und Bringzonen, die vor allem für das Ärztehaus, aber faktisch auch für die vielen Elterntaxis des nahegelegenen Ostendorfer-Gymnasiums gedacht sind. Diese Zonen reichen in der vorgelegten Planung fast bis in die Kreisverkehre hinein – ein zusätzliches Gefahrenpotential an einer ohnehin schon konfliktreichen Stelle.

Auf unseren Einwand, dass Elterntaxis nicht gefördert, sondern eingedämmt werden sollten, entgegnete Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, Elterntaxis seien Realität und man müsse darauf reagieren. Diese Haltung greift aus unserer Sicht zu kurz: Genau solche Entscheidungen im Stadtrat sind es, mit denen wir die zukünftige Realität gestalten – wer Infrastruktur baut, die Elterntaxis bequemer macht, bekommt mehr Elterntaxis, nicht weniger. Wir wollen Verkehrsplanung, die Alternativen stärkt, statt bestehende Problemlagen zu zementieren.

Zusätzlich verlief das Verfahren selbst unklar: Abgestimmt wurde über die vorliegende Beschlussvorlage, gleichzeitig hieß es auf Rückfrage mehrerer Stadtratsmitglieder*innen, die Verwaltung werde mit einer überarbeiteten Planung erneut auf den Stadtrat zukommen. Geändert wurde die Beschlussvorlage dafür nicht. Was das konkret für den weiteren Ablauf bedeutet, blieb in der Sitzung offen. Wir werden das Verfahren weiter beobachten und uns dafür einsetzen, dass die Sicherheit von Radfahrenden und Schulkindern nicht der Bequemlichkeit von Autoverkehr untergeordnet wird.

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